Monday, 18 March 2013

HANDLUNGSORIENTIERTER UNTERRICHT


FLEMO ist ein Handlungsorientierter Baukasten, der Folgenden Teile beinhaltet: Papier-Zetteln verschiedener Formen und Grössen; Knete in drei Farben; Figuren und Münzen; Stäbchen, Murmeln und kleine Bauklötze etc. etc. Ganz viel Material also um die Fantasie und Kreativität der Schüler zu aktivieren. Diese Kasten können auf verschieden Arten im Unterricht eingesetzt werden, wie die untenstehenden Bilder aus der FLEMO Homepage zeigen:


QUELLE: http://www.flemo.net/index.php?option=com_content&view=article&id=14&Itemid=2
Selber habe ich zum ersten Mal den Bastelkasten FLEMO ausprobiert und bin total begeistert vom Ergebnis! Meine Klasse hatte soeben das Buch Cry Freedom von John Briley gelesen und ich wollte, dass sie sich nochmals die ganze Handlung und die Problemstellungen im Buch durch den Kopf gehen liessen. Dazu erhielten sie den folgenden Auftrag:

Gestaltet mit Hilfe vom Inhalt im FLEMO Box eine Zusammenfassung des Buchs. Konzentriert euch dabei insbesondere auf EINER Szene im Buch, dass für euch von spezieller Bedeutung war.

Als ich ihnen den Kasten zuerst zeigte, haben sie gelacht und gemeint, die Aufgabe wäre wohl eher für einen Kindergarten gedacht als für sie (meine Schüler / innen sind alle über 20 Jahre alt!). Anfangs hatten sie auch tatsächlich ein bisschen Anfangsschwierigkeiten, aber fünf Minuten nach Start waren sie doch alle fest vertief in ihrer Aufgabe.

Als die Aufgaben-Zeit dann um war, wollten vielen von ihnen sogar noch weiter damit arbeiten! Sie haben die Aufgabe so richtig geliebt. Sie haben studiert und geredet, diskutiert und modelliert. Ja, es hat fast noch Rauchwolken gegeben vom vielen Studieren und Nachdenken. Es war richtig toll. Das Buchinhalt wurde fasettenartig diskutiert und reflektiert und die englische Sprache wurde fleissig benutzt (obwohl ich hier ehrlicherweise sagen muss, dass die Schüler in der Eifer ein paar mal zur deutschen Sprache gewechselt haben).
Hier noch ein paar Bilder aus meiner Klasse:




Die Vorteile der Methode würde ich folgendermassen zusammenfassen. Der Einsatz von FLEMO im Unterricht .....
  • ... fördert die Kreativität und die Fantasie
  • ... fördert vernetztes Denken
  • ... aktiviert (Vor-)Wissen
  • ... ist inspirierend
  • ... lässt komplexe Situationen schrittweise entstehen und unterstützt so das Verständnis
  • ... unterstützt das Sprechen (was in der Sprachunterricht nicht zu unterschätzen ist!)
  • ... lässt die Schüler aktiv und konzentriert arbeiten
  • ... funktioniert wunderbar bei Repetition von Unterrichtsstoff
  • ... spricht verschiedene Lerntypen an - ex. durch sprechen und hören (auditiv), durch Bilder und Modelle (visuell), durch kneten und formen (kinästhetisch) etc.

Als Abschluss mussten die verschiedene Gruppen ihre Arbeit an den anderen Gruppen vorstellen und es wurde wieder viel (Englisch!) gesprochen.

Mit den Ausdrücken aus den bloomschen Taxonomie würde ich sagen, dass alle Stufen der Bloomschen Taxonomie mit dieser Aufgabe berücksichtigt worden sind, weil die Lernenden sich an die Geschichte und die Problematik erinnern müssten (remembering) und sie müssten diegleichen auch verstehen (understanding). Beim Wiedererzählen wurde das Verständnis der Geschichte und der Problematik auch angewendet (applying). Indem die Schüler sich darüber einigen mussten genau welche Situationen in der Geschichte für sie wichtig waren und welche sie darstellen wollten mussten sie abwiegen um für sich einen richigen Auswahl zu treffen (evaluating). 

Schliesslich wird mit FLEMO die Vielfältigkeit im Unterricht unterstütz, was ich als sehr wichtig erachte.

Tuesday, 12 February 2013

NONVERBALE KOMMUNIKATION

Nonverbale Kommunikation wird auf WIKIPEDIA folgendermassen definiert: 

(...) Im weiteren Sinn bezeichnet der Begriff nonverbale Kommunikation jedes nichtsprachliche Verhalten, das Auskunft über innere Zustände des sich verhaltenden Lebewesens gibt. (...) Beispiele hierfür sind das Erröten als Kommunikation von Verlegenheit oder schlechtem Gewissen (und auch) Äußerungen wie Gestik, Mimik, Augenkontakt oder nichtsprachliche Lautierungen wie beispielsweise das Lachen.

In Wikipedia wird aber auch betont, dass die Nonverbale Kommunikation viel weiter geht. Zu der nonverbale Kommunikation gehört nämlich auch:

Gestaltungen des Erscheinungsbilds wie Kleidung und Accessoirs, die Frisur, Tätowierungen und Ziernarben, bis hin zur Wohnungseinrichtung und gestalterischen Maßnahmen in der Architektur, die eine Gruppenzugehörigkeit oder ein bestimmtes Lebensgefühl zum Ausdruck bringen sollen.

(QUELLE: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Nonverbale_Kommunikation&oldid=114597408)

In der schulischen Unterricht sind aber vor allem die erst erwähnten Merkmale von Bedeutung, diejenigen also, die wir im Unterricht beobachten können. Und zwar geht es hier sowohl um Schüler-Kommunikation als auch um Lehrer-Kommunikation. Die Schüler/innen signalisieren mit ihrer non-verbalen Kommunikation Verständnis oder auch Ahnungslosigkeit, sie zeigen ob sie sich in der Stunde wohl fühlen oder nicht, ob sie der Lehrperson zuhört oder auch nicht etc. etc. All das kann eine geübte Lehrerin / ein geübter Lehrer sehr schnell von den Lernenden ablesen. Gegebenfalls kann sie / er auch daraufhin Versuchen ein Misverhältnis zurecht zu stellen. Da das Wohlfühlen der Lernende für den Lernprozess sehr wichtig ist, finde ich, dass gute Lerpersonen unbedingt fähig sein sollten, die non-verbale Kommunikation der Lernenden zu interpretieren und darauf angemessen zu reagieren

Auf der anderen Seite soll die Lehrperson sich auch bewusst sein, welche Botschaften sie oder er bewusst oder auch unbewusst durch die non-verbale Kommunikation an ihren / seinen Lernenden ausstrahlt. Schaut euch dazu folgendes Beispiel-Filmchen an:


Eine nächste Fragestellung in Zusammenhang mit non-verbale Kommunikation wird für mich also inwiefern wir unsere Einstellung und unsere Gefühle ändern können indem wir bewusst unsere non-verbale Körpersprache ändern? Folgende Filmauschnitt erläuteret die Fragestellung näher. 




Persönlich gewinnt die Bedeutung von non-verbale Körpersprache so an Gewicht, - sowohl für mich als Lehrperson wie auch für meine Lernende. Können wir unsere Einstellung zum Schulstoff ändern indem wir unsere (buchstäbliche) Haltung ändert? Es wäre spannend diese Fragestellung nach zu gehen indem ich Experimente mit meinen Klassen ausführen würde. Für das Erste werde ich auf jeden Fall darauf achten und versuchen sowohl meine Schülern als auch mich selber zu positiver Körpersprache zu motivieren.


Friday, 18 January 2013

BEZIEHUNGEN

Die Beziehung, die Lehrer und Lehrerinnen zu ihren Schülern und Schülerinnen haben, ist etwas ganz Zentrales in der heutigen Pädagogik. Kersten Reich sagt in seinem Buch Konstruktivistische Didaktik, dass es - aus der heutigen Wissensstand heraus - enorm wichtig ist eine Beziehung zu unseren Schülern aufzubauen. Die Moderne Didaktik - also die, die VOR unseren jetztigen Postmodernen Didaktik existierte - scheiterte, so Kersten Reich, weil sie die  Rationalität als bester und erfolgreichster Zugang zu inhaltlichen Bestimmung der Didaktik sah.


Heute ist die Didaktik an Beziehungs- und Kommunikationsformen unterschiedliche Kontexte gebunden (Siehe: Kersten Reich: Konstruktivistische Didaktik, Seite 48). Beziehungen sind ausschlaggebend, um etwas im Leben zu verändern. 

Die heutige Jugend ist viel zu selbstbewusst, als dass sie blind alles akzeptiert was die Professoren und Didaktikern ihnen erzählen. Sie wollen auch nicht bevormundet werden. Sie wollen viel mehr Freiheit zum selber Wählen, selber bestimmen was für sie wichtig und richtig ist. Und wenn man es aus heutiger Sicht heraus betrachtet, muss man ganz klar einverstanden sein. Wer soll am besten wissen wie individuelle, optimale Lernbedingungen aussehen, wenn nicht wir selber? Es ist doch schon längst bewiesen worden, dass jeder Mensch anders lernt und dass es mehrere verschiedene Lerntypen gibt (vgl. hierzu Gardner, und die verschiedene Intelligenzen). Darüber Auskunft zu geben, also darüber welche Lernzenarien am geeignetsten für jede Lerntyp sind, muss jede einezelne selber. Durch gute Beziehungen, kennen die Lehrpersonen aber auch ihre Schüler und sie können sie so am besten individuell beraten.

Ratschläge in unseren Lernprozessen braucht jede einzelne von uns irgendwann und dann ist es für mich einleuchtend, dass man die- oder denjenigen fragt, zu denen wir Vertrauen haben. Wir fragen selten diejenigen, die uns nicht gefallen oder diejenigen, die wir nicht gut kennen. Demnach müsste eins für die Lehrpersonen von heute gelten, nämlich so schnell wie möglich eine Beziehung zu ihren Lehrnenden aufzubauen, damit sie von Anfang an als glaubwürdigen und vertrauensvollen Lernbegleiter gelten. Das Lernen kann dann in eine positive und harmonische Umfeld statt finden.

Heute ist Beziehungen auch ein wesentliches Merkmal der junge Generation. In Bulletin von Crédit Suisse No 5/2012 stand im Artikel Jugendbarometer zu lesen, dass Freunde, Familie und Ehrlichkeit das Wichtigste im Leben der Schweizer sind, - gute Beziehungen also. Nur diejenigen die sich unterstützt und geliebt fühlen, fühlen sich auch wohl und parat um neue Herausforderungen zu meistern. 



Wednesday, 9 January 2013

VISUAL FACILITATION

Heute haben wir geübt bessere Zeichner zu werden, damit wir in der Schulalltag super tolle Plakate oder auch Tafelbilder kreieren können. Es war total spannend und ich freue mich (fast) auf unsere nächste Hausaufgabe - ein Plakat zu einem selbstgemachten LernJob zu malen. 

Hier ist ein Film, der uns Visual Facilitating ein bisschen näher bringt:




Auch diejenige unter uns, die nicht wirklich gute Zeichner sind, kommen hier ganz gross raus. Strich für Strich machen wir super einfache aber sehr wirkungsvolle Zeichnungen, die uns in unserem Unterricht positiv unterstützen können. - Und das mit klaren und detlichen Vorlagen zum Kopieren. 

Man würde vielleicht meinen, dass Zeichnungen was für Kleinkinder ist. Gute und klare Zeichnungen können aber die Komplexität einer Sache deutlich verringern in dem sie das Thema veranschaulichen. Bilder können auch den Zugang zu schwierigen Themen bieten.
Des Weiteren können sie Man kann mit Zeichunungen Zeit gewinnen. Man sagt ja auch so schön; ein Bild sagt mehr als tausend Worte! Auch ist eine Zeichnung international und global gültig. Ein sehr wichtiges Plus in unserer heutigen Welt!
Hier sind ein paar von meinen eigenen Zeichunungen, noch nicht ganz ausgereift, aber doch auf einem guten Weg dazu.. 

In Englischunterricht können die Schüler selber lernen wie man solche Bilder zeichnet. Eine Idee ist die, dass die Schüler selber eine Geschichte malen müssen die sie gelesen haben. Auch wäre es möglich, diese Bilder dann später zu benutzen um die Geschichte zu wiedererzählen. 

Wenn ich selber eine Geschichte so erzähle und auf dem Tafel aufbaue, denke ich, dass die Schüler konzentrierter zuhören würden als sonst. Es ist eine neue Art unseren Unterricht zu bereichern und beleben. Ich freue mich richtig loszulegen. - Aber zuerst muss ich noch das Buch mit Vorlagen abwarten, das ich heute schon bei www.neuland.ch bestellt habe :-)

Danke, Max. War super! 
Quelle: http://www.neuland.ch/images/8019050.jpg
 

Sunday, 30 December 2012

INTERVIEW MIT MAURO DELL'AMBROGIO

Quelle: Hep Magazin, Im Dienste der Bildung, 2/2012 Seite 18
Ab 1. Januar 2013 leitet Maro Dell'Ambrogio das neue Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) im Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung. Damit ist der Tessiner Staatssekretär neu auch für die Berufsbildung zuständig. (Für Organigramm der SBFI bitte hier clicken.) Im hep magazin - Im Dienste der Bildung von Februar 2012 habe ich ein Interview mit Dell'Ambrogio (Seiten 19-21) gelesen worin er Einblick in seine bildungspolitischen Visionen, Ziele und Pläne gewährte.

Er betont, dass sein Bildungscredo heisst 'So wenig Bürokratie wie möglich'. Das finde ich persönlich eine tolle Sache. Oft geht es bei uns in der Schule um ganz viel Organisatorisches und man bekommt bisweilen das Gefühl, dass man gar keine Zeit hat für das Kerngeschäft, den Unterricht. Es ist seit eh und jeh ein leidiges Thema und ich würde es persönlich begrüssen, wenn wir wieder mehr Zeit für unseren Kerngeschäft hätten.

Des Weiteren redet Dell'Ambrogio von der Berufslehre und ihre Zukunft. Insbesondere wird hinterfragt, ob man nicht dafür sorgen müsste, dass die Berufsbildung auch zu international kompatiblen Zeugnisse führen müsste? Unsere Lernenden in der Berufsbildung sind top ausgebildet, aber wie können sie sich international behaupten? Die Frage ist nicht neu, aber gemäss Dell'Ambrogio muss man sich gut überlegen, ob es klug ist nur wegen der internationalen Anerkenneung die Seele der Schweizer Berufsbildung zu verkaufen. Persönlich denke ich, dass die Schweizer Berufsbildung sehr viele positiven Seiten hat und es ist wichtig, diese zu behalten. Gegenüber viele Modelle, die in Ausland herrschen (ex. England und Norwegen wo die Ausbildung vorwiegend in der Schule stattfindet durchmischt mit ein paar Praktikumblöcke oder ein paar Jahre Schulbildung gefolgt von ein oder zwei Jahren praktischen Arbeit im Betrieb (siehe hierzu: http://vimeo.com/45626316 und http://www.gewbw.d/berufsausbildung_in_norwegen.html) geniesst die Dualen (oder auch Trialen) Berufsbildung in der Schweiz klar einen besseren Ruf. Ich spreche da vorallem von der Selbständigkeit und von der Eigenverantwortung, die die Berufsschüler entwickeln, von der positiven Kompetenz- und Handlungsorientierung (siehe hierzu auch Kommentare anderswo auf dieser Seite). Auch kann man heute mit der Berufsmatura in der Schweiz eine hohe Ausbildungsgrad auch mit einer Berufslehre erreichen. Dies ist klar ein Vorteil, den man nicht aus dem Auge verlieren darf. 

Für mich wäre es dennoch wichtig die internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Die Welt wird immerzu globaler und man muss dafür sorgen, dass ins Ausland ziehen einem nicht dazu veranlasst ausbildungsmässig von Null wieder anfangen zu müssen. So kann man z.B. im Fach Englisch auf der Berufsschule einen international anerkannten Cambridge Diplom ablegen. Wenn auch ein Wohnortwechsel in Frage kommt, ist dieses Diplom überall auf der ganzen Welt bekannt und somit vergleichbar. Im Fach Französisch machen die Schüler DELF oder DALF, wiederum ein international anerkanntes Diplom. Diese Internationalität müsste in den anderen Berufsschulfächer meiner Meinung nach auch angestrebt werden.

Letztendlich möchte ich darauf hinweisen, dass der Bund die Bildungs- und Arbeitsmarktfähigkeit der Jugendlichen verbessern will. Mindestens 95 Prozent sollen einen Abschluss auf Sekundarstufe II erwerben. Dell'Ambrogio will dies mit Massnahmen wie z.B. Unterstützung von Lernschwachen oder erwachsenen Quereinsteigern in der Berufsbildung machen. Die konkrete Durchführung überlässt er aber gerne den Betrieben und den Kantonen. Ich gebe zu bedenken, wie eine Gesellschaft wohl ausieht worin 95% der Bevölkerung ein Ausbildung - und somit auch ein Job - auf der Sekundarstufe II innehat? Macht schlussendlich JEDE in ihrer Sparte - sei es DetailhandelsangestellteR, Service-Personal oder Reinigungspersonal - eine Berufsmatura? Oder stellen wir Ausländer (- weil es müssen ja Leute sein, die nicht zu diesen 95% gehören...) für diesen Jobs an, damit wir selber die anspruchsvolleren Arbeiten auf der Sek II Stufe erledigen können??

Ich wünsche Dell'Ambrogio viel Erfolg in seinem neuen Job. 

Wednesday, 19 December 2012

BERUFSBILDUNG IN DER SCHWEIZ - Eine Übersicht

Das Berufsbildungssystem in der Schweiz
Quelle: http://www.berufsbildung.ch/dyn/bin/2777-13558-1-5738-5746-1-d_fz_broschuere_2012.pdf

Das oben abgebildete Diagramm beschreibt wie die Bildungs - und Ausbildungssituation in der Schweiz aussieht.

Vorallem sind die farbigen Pfeile interessant. Die hellgrünen Pfeile zeigen welche Zugänge möglich sind OHNE Zusatzqualifikationen und die rotbraunen Pfeile zeigen wo eine Zusatzqualifikation nötig ist. 
Mit dem Eidgenössischen Fähigkeitsausweis und dazu noch die Berufsmatura, hat man nachher direkter Zugang zu den Eidgenössischen Beruf- und höheren Fach-Prüfungen, zu den höheren Fachschulen und zu den Fachhochschulen. Mit der gymnasiale Maturität kann man direkt an der Universität.
Ein Universitätsstudium ist aber auch für Berufsschul-Abgänger mit Berufsmatura möglich. Allerdings müssen sie dann erst die Zusatzausbildung 'Passerelle' (1 Jahr) besuchen und die dazugehörigen Prüfungen ablegen. Gymnasiale Maturanden, die gerne ein Fach(hoch)schul-Studium besuchen möchten, müssen zuerst ein Praktikumsjahr ausweisen können. 

An diese Durchlässigkeit arbeitet auch die Schweiz ganz fest. Sie wollen gerne ein Ausbildungssystem erschaffen, das über die Landesgrenzen hinaus ihre Gültigkeit haben, sodass Herr und Frau Schweizer auf dem internationalen Arbeitsmarkt erwünscht sind. Zusätzlich sollen die Ausbildungsgängen so flexibel und durchlässig gestaltet sein, dass es immer und für jedermann eine Ausbildungsmöglichkeit gibt. Nie soll es heissen müssen; "Es tut mir Leid, Herr Schweizer. Dazu haben Sie leider den Zug verpasst".

Ich finde diese Durchlässigkeit im schweizerischen Bildungssystem sehr sympatisch. Man kann also nun nicht mehr sagen, dass man 'einen Zug verpasst hat'. Analog zu dem sehr gut ausgebauten Schweizer Schienennetz muss man sagen: 'Es gibt immer ein Zug'. Ob man den ersten, zweiten oder dritten nehmen, wird dann eine persönliche Frage. Die Möglichkeiten sind aber vor Handen.

Auch ist es in der Schweiz spannend zu sehen wie viel Anerkennung die Berufsbildung geniesst in Verhältnis zu der Berufsbildung in anderen europäischen Länder. Unterdessen empfiehlt man sogar gute Schulabgänger den beruflichen Ausbildungsweg zu wählen just wegen diesen Durchlässigkeit. Man hat dann nämlich - so meinen viele - sowohl den "Fünfer und das Weggli" - berufliche Praksis und auch akademische Weiterbildungsmöglichkeiten.

Hier unten sieht ihr wie meine Kommilitonen und Kommilitoninnen im BP-Modul das Schweizer Bildungssystem in FLEMO darstellen; von Primarschule über Sekundarschule bis hin zu der Teilung zwischen Kantonschul- und Berufsschulausbildung und dann letztendlich bis zu den Ausbildungen auf Tertiärstufe.

 

Monday, 17 December 2012

KOMPETENZEN

In der heutigen Pädagogik wird viel über Kompetenzen geschrieben und diskutiert. Es scheint viel wichtiger zu sein, dass die heutige Jugend ihre Kompetenzen entwickeln als dass sie ihr Wissen ausbauen. 

Wieso ist das so? In einer Welt der sich ständig und immer wieder ändert nützt konkretes Wissen nichts für die Zukunft. Was heute über Computer und Internet gesagt und geschrieben wurde zum Beispiel ist sehr wahrscheinlich schon morgen veraltet und irrelevant. Das heisst, dass wir heute in der Schule nicht allzu viel Gewicht auf konkretes Wissen legen sollten. Was wir heute prädiken, wird dann wenn die Studenten mit ihren Schulen und Studien fertig sind in unseren schnell-lebigen Welt möglicherweise nicht mehr relevant sein. Vielmehr sollen die Lernende sich zum Beispiel Problemlöse-Kompetenzen aneignen. 

Konkret heisst das, dass unsere Lernende eher Kompetenzen aufbauen müssen als nur reines Wissen zu pauken. Es wird zentral, dass die Jugend weiss wie man selbststeuernd etwas lernt und dass sie weiss wo man die neuesten Informationen zu verschiedenen Themen holen kann. Sie müssen wissen wie man sich organisiert und sie müssen gut in einem Team arbeiten können u.s.w.

Erpenbeck hat dazu eine Uebersicht kreiert, die uns die 4 - seiner Meinung nach relevantesten - Kompetenzen in Untergruppen einteilt (siehe Bild unten); die Personale Kompetenzen (worunter z.B. Selbstmanagement, Humor und Lernbereitschaft gehören), die Aktivitäts- und Handlungskompetenzen (z.B. soziales Engagement, Initiative, Tatkraft und Beharrlichkeit), die Sozial-kommunikative Kompetenzen (so wie die Fähigkeit zu Konfliktlösung, Sprachgewandtheit und die Experimentierfreude) und letztlich die Fach- und Methodekompetenzen (hierunter z.B. Fachwissen, analytische Fähigkeiten und Organisationsfähigkeit).

http://www.business-wissen.de/typo3temp/pics/bf7e398afb.gif

Mit Hilfe diesen Kompetenzen sind die Lernende für die Zukunft bestens gerüstet.  

Da diese Kompetenzen nicht gleich wie Wissen in Vorlesungsreihen an der Universität vermittelt werden können, muss sich folglich auch an unseren Unterricht etwas ändern. Er muss viel mehr handlungsorientiert werden, so dass die Lernende Erfahrung an konkreten Beispielen sammeln können, er muss individueller gestaltet werden können und er muss Kreativität und Wahlmöglichkeiten zulassen. 

Des Weiteren muss sich die Rolle der Lehrperson ändern. Die Lehrpersonen müssen eine Rolle als Lernbegleiter oder Facilitator annehmen, gute Beziehungen zu den Lernenden aufbauen und ihnen in ihrer Lernprozess unterstützen. 

Letztendlich muss daraus folgen, dass unseren Kompetenznachweise sich ändern. In so eine kompetenzorientierte Welt wäre es unfair nur immer reine Wissensprüfungen durchzuführen. Es bedarf ein Umdenken, sowohl in Theorie als auch in Methode. Wir sind auf dem Weg, aber es gibt immer nocht Schritte zu gehen..